From Idea to Product – Zühlke Event

Written By Chris Bargholz
30.01.2017

Gastbeitrag: Patrick Griss, Executive Partner at Zühlke Ventures AG

Warum scheitern so viele gute Ideen? Apple-Gründer Steve Jobs hatte dafür einst eine simple Erklärung: In vielen Fällen gingen die Erfinder und Entwickler davon aus, dass die Idee 90 Prozent des fertigen Produkts sei. Dabei sei das Gros der Arbeit hartes Handwerk.

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Genau darum ging es an unserem gestrigen Late-Afternoon-Talk unter dem Motto „From Idea To Product“: Wie können Startups ihre Chancen packen und die Möglichkeiten der Produktindustrialisierung gewinnbringend einsetzen? Wie geht man solche Projekte konkret an? Welche Fehler sollten bei der Ressourcenplanung vermieden werden? Das wollten fast 40 Teilnehmer aus Jungunternehmen wissen. Ausserdem im Publikum waren Investoren und solche, die es werden möchten. Nicht nur diesen ist Mike Baur seit zwei Jahren behilflich. Der Gründer des ersten hierzulande privat finanzierten Accelerators Swiss Startup Factory führte trotz starker Erkältung souverän durch den Abend.

 

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Das Zühlke-Team um Stefan Wehrli, Business Solution Manager, Rent a Startup, erklärte gleich zu Beginn, worauf wir als Innovationspartner im gesamten Prozess achten: Jede Abteilung kann ihren Beitrag zum Erfolg leisten: So ist es etwa am Entwicklerteam, die Einfachheit aufzuspüren, das Marketing kann jene Funktionen definieren, die wirklich wichtig sind. Der Einkauf sollte darauf achten, nicht zwangsläufig den günstigsten Lieferanten zu nehmen. Nicht zuletzt ist es an der Produktionsabteilung, Verschwendung zu eliminieren. Sehr anschaulich erklärten unser System Architect Michael Hediger, Business Solution Manager Markus Steiner und Lead System Architect Willi Huwyler, was das konkret für uns heisst: PrioCLIP, ein Gerät für BSE-Tests hatte acht Teile, bis wir eine neue Version entwickelten. Diese kam mit drei Teilen aus. Einige Vorteile für den Auftraggeber Prionics: Weniger Retouren, geringerer Logistikaufwand und tiefere Herstellungskosten. Wir kamen mit viel weniger Teilen aus, weil wir unter anderem einen Scharnierdeckel verbaut haben, wie man ihn von Shampooflaschen kennt.

Test Engineering heisst für uns: Von Anfang an eine Testumgebung aufsetzen, Testplan und Testspezifikationen, Testkriterien basierend auf Risikoliste. Warum treiben wir diesen Aufwand? Das in hohen Volumen verkaufte Produkt hält, was es verspricht. Es gibt kaum Garantiefälle, Rückrufaktionen und Produkthaftungsfälle. Gern vergessen wird sicherzustellen, dass sich das Produkt für die Massenproduktion eignet. „Schraubzwingen und Sekundenkleber sehe ich in diesem Fall ungern“, sagte Andreas Asper dazu.

Weshalb haben wir diese Prozesse anhand von Produkten wie dem BSE-Tester und einem Taschenmesser (wie viele Funktionen brauchen die Nutzer wirklich) erläutert? Weil es anschaulich ist und sich das meiste auf die Softwareentwicklung übertragen lässt.

Diese Industrialisierungstehmen waren auch für das Start-up Noonee, das wir unter unsere Fittiche genommen haben, von entscheidender Wichtigkeit. Das dreiköpfige Team um Keith Gunura hat mit dem Chairless Chair einen Sitz- und Steh-Support für Fliessbandarbeit entwickelt.

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In meiner Tätigkeit für Zühlke Ventures habe ich noch kein Startup gesehen, das nicht irgendwann am Abgrund stand. Auch bei Noonee gab es einen solchen Moment, wie Keith Gunura auf der Bühne berichtete: „Zwei Monate, bevor wir einen Testkunden beliefern musste, zerbrachen unsere Prototypen, weil wir die Last falsch berechnet hatten.“ Wir setzten zwischenzeitlich auf Titan, aber dadurch stiegen die Produktionskosten natürlich zu stark. Dann kam Zühlke ins Spiel und gemeinsam haben wir nun ein Produkt aus Spritzguss zu einem konkurrenzfähigen Preis entwickelt.“ Aufgeben war aber nie eine Option – oder wie Gunura es formulierte: „The proof of the pudding is in the eating.“ Den Pudding kann man eben nur testen, wenn man ihn isst.

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Eine eindringliche Warnung gab Andreas Gall, CTO Red Bull Media House, den Jungunternehmen mit auf den Weg. „Überstürzt den Markteintritt nicht. In diesen Zeiten kann man sich keine Fehler mehr leisten, der Shitstorm bricht sofort los. Beim österreichischen Energy-Drink-Hersteller, der allein auf Facebook 41 Millionen Fans verzeichnet, hat man Startups nun auch auf dem Radar, was sich nicht nur in einer Partnerschaft mit der Swiss Startup Factory äussert. „Wir stellen in unserem Red Bull Wings Lab Gründern Ressourcen zur Verfügung und hoffen natürlich, dass wir zu einem kleinen Hub werden.“ Auch deshalb war Gall zum Netzwerken nach Schlieren gekommen. Einer, der davon auf jeden Fall profitieren wird, ist Keith Gunura. Denn Gall lud den Noonee-Macher von der Bühne aus ein, mal beim Red-Bull-Formel-1-Team vorbeizuschauen. Vielleicht sitzen dessen Mechaniker ja in Zukunft auf dem Chairless Chairs.

Autor: Patrick Griss, Executive Partner at Zühlke Ventures AG
Dr. Patrick Griss ist Co-Gründer der Zühlke Ventures AG und seit 2006 bei Zühlke tätig. Bevor er 2010 zu Zühlke Ventures wechselte, war er als Business Unit Manager im Bereich Product Engineering aktiv. Er ist seit 2009 Partner der Zühlke Gruppe. Von 2002 bis 2006 leitete er eine Entwicklungsabteilung bei Roche Diagnostics. Patrick Griss ist Verwaltungsrat in folgenden Portfoliofirmen: Leman Micro Devices.